9 Songs von Michael Winterbottom

Ein Film, drei Stränge, völlig unterschiedliche Resonanz. Für mich: Ein in sich geschlossenes Kunstwerk. Die Zukunft: Die Antarktis, besucht von dem Mann. Über diesen Ort hat die Frau ihm einst ein Buch geschenkt. Die Vergangenheit: Junge trifft Mädchen, sie haben viel Sex, anfangs lustvoll und leicht, später immer mehr Grenzen erkundend. Die Gegenwart: Neun Musikstücke. Live.

Black Rebel Motorcycle Club: Whatever happened to my rock and rollVon Bondies: C’Mon, C’Mon, Elbow: Fallen angel, Primal Scream: Movin’ on upDandy Warhols (was hab ich die vor Jahren mal vergeblich gesucht): You Were The Last High, Super Furry Animals: Slow life, Franz Ferdinand: Jacqueline, Michael Nyman: Nadia, Black Rebel Motorcycle Club: Love Burns. Immer wenn ich denke: Hey, cooler Song, geniale Verbindung aus Mainstream und Independent, überrascht mich wieder der nächste.

Mit den Verrissen des Films an diversen Stellen kann ich nichts anfangen. Da wird 9 Songs als reiner Sexfilm bezeichnet – sollte er dies wirklich sein, dann ist es ein Sexfilm, wie er sein sollte: Mit Lust und Leidenschaft, mit unperfekten Körpern, spielerisch und grenzerfahrend intensiv, keine silikonbewehrte ReinRaus-Wichsvorlage, sondern intelligent und künstlerisch umgesetzt. Dann heisst es an verschiedenen Stellen, dass man über die beiden Protagonisten Matt und Lisa so gut wie nichts erfährt. Wirklich? Ist es nicht eher so, dass man über sie nichts erfährt im klassischen “Wer bist du was machst du”, sondern eher über ihr Inneres. Träume, Wünsche, Bedürfnisse. Viel nonverbales. In der Improvisation der (Laien-)Darsteller kreativ ausgesprochenes.

Dieses Zitat von Tommy trifft weit eher meine Einschätzung: “Man sollte sich diesen Film unbedingt anschauen, ihn als mutiges und klug gefilmtes Experiment eines kompromisslosen Regisseurs rezipieren.” Eine sehr differenzierte und lesenswerte Betrachtung gibt es bei Filmfieber.

Zum Abschluss der Satz (siehe Wikipedia) über das gesamte Schaffen des Regisseurs, der die Grundlage wäre, Michael Winterbottom zu einem Schutzheiligen von eklektik.de zu machen: “Insgesamt fällt der Stilwille und die Vielseitigkeit auf, die Leidenschaft [...], damit eine Art filmischer Eklektizismus“.

9songs dvd

9 songs
jahr: 2004
dvd: november 2005
spieldauer: 67 minuten

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1 Comment »

Tor Löwenherz on April 4th 2009 in Filme

One Response to “9 Songs von Michael Winterbottom”

  1. My own 9 Songs « Musik « Songs, Sinnlichkeit, Musik, Erotik, eklektik responded on 11 Mai 2010 at 2:09 pm #

    [...] Welle, denn ein Jahr zuvor zu Beginn dieses Monats hat Tor über seine Sicht auf den Film „9 Songs“ geschrieben und mein Fazit lautet noch immer, dieser Film sollte als „How to make…“ [...]

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